Altes Backhaus | Ein Stück Reh um 30 Euro

Zugegeben, das Alte Backhaus in der Bahngasse in Wiener Neustadt hatte es bei uns schon im Vorhinein nicht leicht. Denn das neue Edelwirtshaus (Selbstbezeichnung) musste das schwere Erbe gegen die Gastwirtschaft Brod antreten, das in der selben Lokalität beheimatet war und über mehrere Jahre hinweg zu unserer Lieblingsadresse zählte (gemütliche Wirtsleute, gutes Preis/Leistungsverhältnis und 5 Minuten Gehweite von zuhause sei Dank). Beim Erstbesuch des alten Backhaus überwiegte dennoch die Vorfreuden, da wir hofften ein neues Stammrestaurant zu finden.

Der Beginn war vielversprechend: Die Gaststube wurde dezent und gelungen modernisiert, ein Wintergarten mit direktem Zugang zum gemütlichen Innenhof stellt den Höhepunkt des sanften Umbaus dar. Das Servicepersonal rund um Herrn Schmutzer Junior war zu Beginn besonders aufmerksam – da waren wir aber noch die einzigen Gäste im Lokal. Eine Stunde später hatten sich alle Plätze gefüllt und sowohl Küche als auch Service gerieten ins Schwimmen (das Hauptgericht kam nach eineinhalb Stunden, Flaschenweine wurden ohne Kostschluck nur auf den Tisch gestellt, extra Beilagensalate wurden komplett vergessen).

Aber zur Küchenleistung: diese kann zwar als durchaus ambitioniert und solide bezeichnet werden, aber auch nicht mehr. Das pikante Beef Tartare á la Chef war durchaus delikat, das Vitello tonnato kam aber zu brav und so unspektakulär wie bei jedem beliebigen Italiener darher. Die Hirsch- bzw. Rehfilets waren zwar perfekt gebraten, entpuppten sich aber als Miniportionen (ca. 100 g Fleisch) und wurden jeweils mit falschen Beilagen geliefert, ohne Hinweis vom Servicepersonal. Das gar nicht cremige Eierschwammerlrisotto enthielt zwei halbe Eierschwammerl. Der Hammer zum Haupgericht kommt aber erst…

Wir wollten nicht noch eine Stunde warten und verzichteten deshalb aufs Dessert. Die Rechnung bitte! Und jetzt ging das Ärgernis erst richtig los: Die Wildgerichte (Hirsch und Reh) waren Tagesgerichte und somit auf keiner Karte oder Tafel angeschrieben – der Preis war nirgends ersichtlich. Wir bestellten im guten Glauben einer fairen Preispolitik und waren dann um so erschrockener als auf der Rechnung die Wildgerichte mit jeweils 30 € aufschienen. Preise wie im Fabios in Wien, nur dass man in Wiener Neustadt (zum Glück) nicht neben Schicki-Mickis sitzen muss. Um 30 € bekommt man z.B. beim Reisinger in Pöttsching schon fast ein viergängies Menü! Solange das Restaurant das Service nicht in Griff bekommt und kräftig an der Preisschraube dreht werden wir wohl nicht mehr kommen. Schade!

Altes BackhausWenig Empfehlenswert | Preis/Leistung: schlecht

Altes Backhaus
Bahngasse 1, 2700 Wiener Neustadt
www.altes-backhaus.at

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