Hanner | Sorry seems to be the hardest word

Sorry Hanner!

Eines gleich vorweg: der Koch (in Form einer Kitsch-Kerze) hätte sich eigentlich nicht bei uns entschuldigen müssen. Denn die Küchenleistung beim Hanner war durchwegs gut, teilweise sogar großartig. Ein aufrichtiges Sorry (und eben kein geschmackloses Teelichterl) hätten wir uns von der Serviceleiterin oder eben vom Chef selbst erwartet. Beim Hanner in Mayerling haben wir zwar einen kulinarisch gelungen Abend erlebt, allerdings hat dieser durch ein mehr als dubios agierendes Serviceteam stark gelitten. Wer jetzt gespannt ist, wie gut beim Hanner wirklich gekocht wird und welche Faux-Pas sich das Service geleistet hat, liest einfach weiter…

Amuse Bouches: Radieschen, Gebeizter Rhabarber, Glasierter Speck

Freitag Abend. Ende Juni. Außentemperatur jenseits der 30 Grad. Wolkenloser Himmel. Wir betreten das Hotel-Restaurant Hanner und werden von einer leicht hysterischen Empfangsdame gleich einmal damit begrüßt, dass heute wegen einer Gewitterwarnung sicher nicht Outdoor diniert werden kann. Ungläubig (da mit den Wetterprognosen bestens vertraut) können wir die Dame schließlich überreden, dass wir den Aperitif und eventuell den Gruß aus der Küche im wunderschönen Gastgarten einnehmen können. Gut so: denn wir verlassen den Gastgarten erst wieder gegen 23:00 Uhr kur vor der Heimfahrt. Gezählte Wolken am Himmel: Null.

Solche und ähnliche Schmankerl (vollständige Auflistung folgt am Ende des Berichts) ziehen sich durch unseren ganzen Abend. Schade! Denn das Ambiente beim Hanner – vor allem im stylischen Hipster-Gastgarten – ist ein kleines Träumchen. Genauso wie die kleinen Amuse Bouches in Form von knackig-scharfen Radieschen, Gebeizten Rhabarber und süß Glasierten Speck.

Hanner Gastgarten

Verzückt von den kleinen Snacks vorweg lassen wir es uns im Hanner-Garten gut gehen. Wir sitzen fast alleine draußen, denn jeder der nicht sudert, wird drinnen platziert. Deplatziert finden wir, dass zum Aperitif kein einziger österreichischer Schaumwein angeboten wird. Champagner muss für uns einfach nicht sein, der dann gewählte Prosecco schmeckt leider billiger als er ist (7 €).

Speisekarte, Radieschen, Butter, Laugengebäck

Mehr Freude macht uns da der Blick auf die kunstvoll gestaltete Speisekarte, auf der zwei Menüs zu je 6 Gängen angeboten werden. Wir entscheiden uns für 5 Gänge um 89 €, einmal mit Weinbegleitung (55 €) und einmal mit den alkoholfreien Getränken (26 €). Beim Schmökern des Menüs genießen wir zweierlei Butter (gesalzen, Liebstöckl) und hausgemachtes Laugengebäck.

Amuse Bouche: Stör

Als weiteren Gruß aus der Küche erfreuen wir uns an einem sanft pochierten Stör mit Gurke und Borretsch-Blüte.

Ochsenmaulsalat: Kobe Beef & Kamm-Muscheln, Rapssprossen & Fichtenwipferl, Violetter Karfiol & Brokkoli

Ochsenmaulsalat: Kobe Beef & Kamm-Muscheln, Rapssprossen & Fichtenwipferl, Violetter Karfiol & Brokkoli. Ein grandioser Beginn! Das üppig marmorierte Kobe Beef gefällt uns auch als Carpaccio und schmiegt sich herrlich über die nussigen Kamm-Muscheln. Fein abgeschmeckt und gut ergänzt mit knackigem Gemüse bleibt dieser erste Gang ein Highlight des Abends.

Bachsaibling: Gurke & Galia-Melone, Estragon & Vogelmiere, Blue Gin & Limette

Bachsaibling: Gurke & Galia-Melone, Estragon & Vogelmiere, Blue Gin & Limette. Wow sagen wir auch beim rohen Bachsaibling, der von höchster Qualität zeugt und gemeinsam mit der lässig marinierten Gurke und Melone ein erfrischendes Tänzchen auf der Zunge wagt.

Goldforelle: Kräuterseitlinge, Schlangen-Melanzani & Eiskraut, Karotten & Kernöl

Goldforelle: Kräuterseitlinge, Schlangen-Melanzani & Eiskraut, Karotten & Kernöl. Die Goldforelle ist zwar glasig gebraten, im Vergleich zu den ersten Gängen schmeckt diese Komposition aber leider nur ok. Karotten und Kernöl kommen hier zu wenig zur Geltung, der Schlangen-Melanzani ist geschmacklich blass.

Spargel: Zitronat-Zitrone & Latschenessenz, Brunnenkresse & Erbsensprossen, Knusprige Erdäpfel

Spargel: Zitronat-Zitrone & Latschenessenz, Brunnenkresse & Erbsensprossen, Knusprige Erdäpfel. Spargel nach der Spargelzeit ist ja so eine Sache, gemeinsam mit der sauer-süßen Zitronat-Zitrone und den restlichen Zutaten macht das Frühlingsgemüse aber auch im Sommer Spaß. Die Chips sorgen für Abwechslung im Texturenspiel.

Atlantik Hummer: Gelber Paradeise-Hollertee, Spinat & Hollerasche, Bulgur & Räucheraal

Atlantik Hummer: Gelber Paradeiser-Hollertee, Spinat & Hollerasche, Bulgur & Räucheraal. Komplett daneben geht leider Gang Nummer Drei: Der Hummer schmeckt zäh und glibbrig, auch die Aromen am Teller können uns nicht überzeugen – der mit Abstand schwächste Gang.

Toller Hecht: Hechtkaviar & Eierschwammerl, Spargel & Schinken, Portulak & Camelina-Öl

Toller Hecht: Hechtkaviar & Eierschwammerl, Spargel & Schinken, Portulak & Camelina-Öl. Vom ganz anderen Kaliber ist hingegen der tolle Hecht, der in einem intensiv-erdigen Eierschwammerfond schwimmt und vom edlen Leindotteröl umschmeichelt wird.

Beinfleisch: Spargel, Fenchel & Bärlauch, Pikanter Paprika-Fond, Pommes Souffle

Beinfleisch: Spargel, Fenchel & Bärlauch, Pikanter Paprika-Fond, Pommes Souffle. Der erste Hauptgang kommt dann sehr heftig daher: das Beinfleisch ist zwar zart, saftig und herrlich kräftig im Geschmack, eine zähe Fettschicht (nicht knusprig, nicht zart!) trübt aber das fleischige Vergnügen. Einmal mehr wundern wir uns über Spargel am Teller, der Paprika-Fond passt hingegen hervorragend zum deftigen Fleischstück.

Hohe Reith Taube: Kirschen & Weißer Mohn, Entenleber & Pilze,  Dotter & Craft Bier

Hohe Reith Taube: Kirschen & Weißer Mohn, Entenleber & Pilze,  Dotter & Craft Bier. Auch der zweite Hauptgang ist nichts für Weicheier unter den Karnivoren. Die idealtypische Taube haut genauso wie die Entenleber und Pilze kräftig auf den Putz. Geschmacklich abgefedert wird der intensive Fleischgeschmack durch süß-saure Kirschen und weißem Mohn. Tolle Idee: der mit Craft Bier verfeinerte Eidotter!

Strawberry Fields Forever: Erdbeer & Ingwer, Litschi Pop Corn & Pericon, Granité von Holler & Akazien

Strawberry Fields Forever: Erdbeer & Ingwer, Litschi Pop Corn & Pericon, Granité von Holler & Akazien. Ein sehr gelungenes Dessert wird mit diesem kleinen Erdbeerfeld serviert. Erfrischend schmecken die Ingwer-Erdbeeren, witzig beißt sich das Litschi Pop Corn.

Sommerkirsche: Fenchel & Sauermilch, Zitronencreme & Kamillenknospen, Kokos & Milchhaut

Sommerkirsche: Fenchel & Sauermilch, Zitronencreme & Kamillenknospen, Kokos & Milchhaut. Die Sommerkirsche kann da leider nicht ganz mithalten. Ein kleiner Gugl, ein Nocken Kirschsorbet und ein bisschen Firlefanz drumrum ist einfach zu wenig für eine gute Süßspeise.

Petits Fours

Nach den reizenden Petits Fours versuchen wir schließlich ein Resümee über den Abend zu ziehen: Ambiente – top! Küche – top (ok, mit kleinen Schwächen)! Getränke – naja! Service – ein absoluter Flop! Nicht nur, dass einfach alles schief ging, was an so einem Abend schief gehen kann. Nein, das Servicepersonal war zudem schmähfrei, uncharismatisch und schaffte es einfach nicht ein aufrichtiges Entschuldigung für seine Faux-Pas über die Lippen zu bringen:

  • Zu Beginn verweigert man uns wegen angeblicher Gewittergefahr einen Tisch im Freien. Auf Nachfrage dürfen wir trotzdem draußen sitzen – den ganzen Abend lang.
  • Auf den ersten Gang wird vergessen (Wartezeit: ca. 20 Minuten). Die Kellner wollen gleich den zweiten Gang servieren und merken das erst auf unsere Anmerkung hin.
  • Nach weiteren 10 Minuten kommt endlich Gang Eins. Unsere Gläser von der Wein- bzw. Getränkebegleitung sind natürlich längst ausgetrunken. Keiner kommt auf die Idee uns nachzuschenken.
  • Dann werden die Getränke für Gang Zwei eingeschenkt. Ein paar Minuten später wird plötzlich der dritte Gang serviert, hektisch der Wein gewechselt und gesagt, dass der Chef sonst nicht zusammen kommen würde. Die Speisen und Weinfolge wird bewusst komplett durcheinander gebracht und schadet dem Geschmackserlebnis (Hummer vor Goldforelle, Hecht vor Spargel, klassischer Sauvignon Blanc vor gereiftem Zierfandler statt umgekehrt).
  • Das alkoholfreie Getränk wird hingegen nicht gewechselt – eine beliebige Zuordnung zu den Speisen scheint wahrscheinlich.
  • Auf der Rechnung befindet sich eine extra Weinbergschnecke um 9 €, die wir weder bestellt noch konsumiert haben.
  • Wir hören trotz aller Servicefehler nur ein beiläufiges “Entschuldigung” und werden mit einer schrecklich-kitschigen Sorry-Cook-Kerze abgespeist.

Nein, wir sind nicht übermäßig pingeling. Und einen (oder auch mehrere) Fehler zu machen, ist überhaupt kein Problem. Es ist nur die Frage, wie das Serviceteam auf diese reagiert und das gegenüber seinen Gäste wieder ausbessern möchte – vor allem wenn diese 300 € für zwei Personen liegen lassen. Eine Kerze ist auf jeden Fall keine gute Idee.

Sorry Cook Hanner

Abgesehen vom laschen und sehr unglücklich agierendem Service hat uns die Getränkebegleitung etwas sauer aufgestoßen. Die alkoholfreie Getränkebegleitung ist relativ langweil, die Weinbegleitung in Ordnung aber vollkommen überteuert (für über 10 € das Glas bekommt man u.a. nur einen Sauvignon Blanc Klassik vom Skoff). Zum Abschluss, aber nochmal zum Positiven – zum Essen:

Heinz Hanner und seine linke Hand Roland Huber (vormals: Kloster Und) schicken zumeist ganz große Speisen aus ihrer Küche. Überraschend in der Komposition, raffiniert im Aromenspiel und präzise im Geschmack. Hochwertige und vielfältige Produkte werden im absoluten Selbstverständnis verwendet. Also Herr Hanner: bitte ein bissi am Service und an der Flexibilität in der Küche  feilen, dann haben sie auch keinen Sorry-Cook mehr nötig. Der Gault Millau schreibt in seinem 2013er Guide von schwachen drei Hauben, wir schließen uns hier mit einem schwachen Empfehlenswert an.

HannerEmpfehlenswert Preis-Leistung: ok

Relais & Châteaux Hanner
2534 Mayerling 1
www.hanner.cc 

 

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3 Gedanken zu “Hanner | Sorry seems to be the hardest word

  1. Tja das mit dem Service ist in einigen Lokalen scheinbar unterbewertet. Wir können ähnliches vom Taubenkobel berichten. Hatte bis dato aber noch nicht die Muse es am Blog zu publizieren. Danke für euren offenen und schönen Bericht. R.

    • Hallo Roman!

      Sehr interessant: im Taubenkobel hatten wir letztes Jahr DAS perfekte Service-Erlebnis … wir wurden von Barbara Eselböck aufs Netteste umsorgt. Allerdings habe ich von anderen Leuten, auch schon anderes gehört. Vielleicht wie so oft eine Personal- oder Tagesverfassungsfrage…

      Vielen Dank auf jeden Fall für das Lob ;-)

      LG, T&T

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